Videotherapie hat sich in der Physiotherapie als fester Bestandteil moderner Praxisführung etabliert. Ob Folgekonsultationen nach der eigentlichen Behandlung, die Betreuung von Patienten in ländlichen Regionen oder die Integration von Heimübungsprogrammen – die Möglichkeit, Therapieleistungen über Video anzubieten, eröffnet euch als Physiotherapeuten neue Wege. Damit das reibungslos funktioniert, braucht ihr die richtige Software.
In diesem Vergleich zeigen wir euch, welche Praxissoftware eine integrierte Videotherapie-Lösung mitbringt, worauf ihr bei der Auswahl achten solltet und was die Abrechnung mit den Krankenkassen bedeutet.
Kurzüberblick: Diese Partner unterstützen Videotherapie
Nicht jede Praxissoftware für Physiotherapeuten bietet native Video-Funktionen. Die folgenden Anbieter aus unserem Vergleich gehören zu denen, die euch in diesem Bereich am weitesten entgegenkommen:
| Physio-Software | Hinweise zur Videotherapie |
|---|---|
| Patientify bietet die am weitesten entwickelte Videotherapie-Integration: vollständig KBV- und GKV-zertifiziert, direkt mit Terminplanung und Patientenakte verknüpft. Keine Drittanbieter-Tools notwendig. | |
| medo.check setzt auf asynchrone Videobetreuung: über 3.000 Übungsvideos in der medo.coach App, individuell zusammenstellbar als Heimübungsplan. | |
| tinana bietet sowohl Übungsvideos (ca. 100) als auch eine KBV-zertifizierte Videosprechstunde für datenschutzkonforme Live-Konsultationen – beides in einer Lösung. | |
| thevea bietet seit Mai 2025 in der Pro-Version Videotherapie über die KBV-zertifizierte Lösung sprechstunde.online an – direkt aus der Software, ohne Zusatzkosten. | |
| appointmed bietet in allen Paketen eine native Video-Sprechstunde für Online-Kontroll- und Beratungstermine (€ 2,50 pro Sitzung). Geeignet für Praxen mit Privatzahlern. | |
| henara ermöglicht Videotherapie über eine Link-Generierung direkt im Termin; für umfassendere digitale Betreuung steht Partner-App fyzo zur Verfügung. |
Was ist Videotherapie in der Physiotherapie?
Videotherapie – auch Telerehabilitation oder Online-Physiotherapie genannt – bezeichnet die Durchführung physiotherapeutischer Behandlungen über eine Videoverbindung. In Deutschland sind videotherapeutische Leistungen unter bestimmten Voraussetzungen über die gesetzliche Krankenversicherung abrechenbar.
🎥 Live-Videotherapie (synchron)
Therapeut und Patient sind gleichzeitig per Video verbunden. Befund, Anleitung und Feedback erfolgen in Echtzeit.
- Für GKV-Abrechnung relevant
- KBV-Zertifizierung erforderlich
- z. B. Patientify, tinana, thevea, appointmed, henara
📱 Übungsvideos (asynchron)
Therapeuten stellen voraufgezeichnete Übungsprogramme bereit. Patienten führen diese selbständig durch – oft per Patienten-App.
- Keine Live-Verbindung nötig
- Nicht GKV-abrechenbar
- z. B. medo.check, tinana
Für die Abrechnung über die GKV ist ausschließlich die synchrone Variante relevant. Hierfür muss die eingesetzte Software zertifiziert sein.

Alle Anbieter im Überblick: Wer bietet welche Video-Funktionen?
Anbieter mit Video-Unterstützung
Patientify
Patientify bietet eine native, vollständig KBV- und GKV-zertifizierte Videokonferenz-Funktion, die direkt mit Terminverwaltung und Patientenakte verknüpft ist. Der gesamte Ablauf – Buchung, Durchführung, Dokumentation – bleibt in einem System.
- Integrierte Videosprechstunde, KBV-/GKV-zertifiziert
- Nahtlose Verbindung mit Terminverwaltung und Patientenakte
- Keine Drittanbieter-Tools notwendig
- Datenschutzkonforme Übertragung
tinana
tinana bietet eine KBV-zertifizierte Videosprechstunde für datenschutzkonforme Live-Therapiestunden – direkt über die tinana App. Zusätzlich steht eine integrierte Bewegungs-App mit rund 100 Übungsvideos zur Verfügung, die sich als Heimübungsplan an Patienten ausgeben lassen.
- KBV-zertifizierte Videosprechstunde (Live-Video)
- Integrierte Übungs-App mit ca. 100 Übungsvideos
- Intuitive Bedienung für Therapeuten und Patienten
thevea
thevea bietet seit Mai 2025 in der Pro-Version Videotherapie über sprechstunde.online an – direkt aus der Software heraus, ohne Zusatzkosten. Da sprechstunde.online KBV-zertifiziert ist, lassen sich die Sitzungen auch mit gesetzlich Versicherten abrechnen. Patienten erhalten automatisch einen Teilnahmelink per E-Mail.
appointmed
appointmed bietet in allen Paketen eine native Video-Sprechstunde für sichere Online-Kontroll- und Beratungstermine (€ 2,50 pro Sitzung). appointmed richtet sich an Praxen mit Privatzahlern; eine direkte GKV-Abrechnung ist nicht möglich.
henara
henara ermöglicht Videotherapie über eine Link-Generierung direkt im Termin. Für umfassendere digitale Patientenbetreuung steht zusätzlich der Partner fyzo mit seiner Physio-App zur Verfügung.
medo.check
medo.check setzt auf asynchrone Heimübungsbetreuung: Die medo.coach App bietet über 3.000 Übungsvideos, die als individueller Übungsplan an Patienten versendet werden können. Für Live-Videokonsultationen ist medo.check weniger ausgelegt.
- Über 3.000 Übungsvideos in der medo.coach App
- Individuelle Übungspläne per Video an Patienten versenden
- Fokus auf asynchrone Heimübungsbetreuung
Buchner
Buchner bietet laut Nutzererfahrungen ein optionales Videotherapie-Modul zum Hinzubuchen an. Vom Hersteller liegen uns keine näheren technischen Angaben vor.
principa
principa bietet über sein Patientenportal (HomeAkte) eine integrierte Videosprechstunde an – sowohl für Einzel- als auch Gruppentermine. Patienten können Termine damit auch per Fernbetreuung wahrnehmen.
Partner ohne native Videofunktion
Die folgenden Partner bieten keine integrierte Videotherapie-Lösung. Telemedizinische Leistungen lassen sich in der Regel über externe, zertifizierte Videoplattformen umsetzen:
- NOVENTI Ora – Telemedizinische Leistungen lassen sich im Terminkalender kennzeichnen; für Videosprechstunden ist eine externe zertifizierte Lösung erforderlich.
- Optica Viva – Aktuell keine Videotherapie verfügbar; eine Integration ist vom Hersteller angekündigt.
- Proleos+ – Aktuell keine integrierte Lösung; der Hersteller arbeitet an der Anbindung einer Videosprechstunden-Lösung.
- synaptos – Keine native Videotherapie-Funktion; externe Lösung empfehlenswert.
Vorteile der Videotherapie für Physiotherapiepraxen
- Mehr Patienten erreichbar: Patienten, die mobil eingeschränkt sind, weit entfernt wohnen oder wenig Zeit haben, können weiterhin betreut werden.
- Termintreue verbessern: Ausfallraten sinken, wenn Patienten nicht physisch erscheinen müssen. Besonders relevant für Folgetermine und Übungskontrollen.
- Effizienz steigern: Kürzere Video-Checks zwischen regulären Terminen ermöglichen eine engere Begleitung ohne vollen Behandlungsaufwand.
- Heimübungen begleiten: Über Physio Apps mit Videoanleitung können Therapeuten sicherstellen, dass Patienten ihre Hausaufgaben korrekt durchführen.
- Umsatzpotenzial: Zertifizierte Videosprechstunden können bei GKV-Patienten abgerechnet werden – zusätzliche Einnahmen bei flexiblem Einsatz.
Auswahlkriterien: Worauf kommt es an?
✅ 1. GKV-Zertifizierung
Für die Abrechnung mit gesetzlichen Krankenkassen ist eine entsprechende Zertifizierung zwingend. Prüft dies gezielt – oder wählt direkt eine integrierte Lösung wie Patientify oder tinana.
🔗 2. Nahtlose Integration in die Praxissoftware
Eine separate Videolösung bedeutet Medienbrüche. Achtet darauf, dass Video, Therapieplanung und Dokumentation in einer Software zusammenlaufen.
🔒 3. Datenschutz und DSGVO
Videoübertragungen im medizinischen Kontext unterliegen besonderen Datenschutzanforderungen. Server-Standort, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und Auftragsverarbeitungsverträge (AVV) sind Pflicht.
👤 4. Einfache Handhabung für Patienten
Eure Patienten müssen die Videofunktion ohne technische Hürden nutzen können. Lösungen, die über einen einfachen Link funktionieren (kein App-Download erforderlich), haben klare Vorteile.
📋 5. Kombination mit Übungssoftware
Videotherapie und Übungssoftware ergänzen sich ideal. Nach der Live-Session kann der Therapeut direkt den nächsten Übungsplan mit Videoanleitung versenden.
FAQ: Häufige Fragen zur Videotherapie in der Physiotherapie
Kann ich Videotherapie mit der gesetzlichen Krankenkasse abrechnen?
Ja, unter bestimmten Voraussetzungen. Die eingesetzte Software muss KBV-zertifiziert sein. Informiert euch bei eurer Kassenärztlichen Vereinigung oder nutzt eine bereits GKV-konforme Lösung wie Patientify oder tinana.
Welche Videotherapie-Software ist für Physiotherapeuten geeignet?
Für Live-Videokonsultationen mit GKV-Abrechnung sind Patientify und tinana gut geeignete integrierte Lösungen. Für die Begleitung von Heimübungen per Video ist medo.check eine starke Option.
Benötige ich für Videotherapie eine spezielle Praxissoftware?
Nicht zwingend – ihr könnt auch externe zertifizierte Videoplattformen nutzen. Einfacher und fehlerarmer ist jedoch eine vollständig integrierte Lösung.
Wie unterscheidet sich Videotherapie von Übungssoftware?
Videotherapie bezeichnet Live-Konsultationen per Video. Übungssoftware stellt Patienten voraufgezeichnete Übungsvideos zur Verfügung. Beides kann sich ideal ergänzen – mehr dazu auf unserer Seite zur Übungssoftware für Physiotherapeuten.
Funktioniert Videotherapie auch mit Privatpatienten?
Ja, für Privatpatienten gibt es keine GKV-Zertifizierungspflicht. Achtet trotzdem auf Datenschutzkonformität.
Fazit: Videotherapie lohnt sich – mit der richtigen Software
Videotherapie ist für moderne Physiotherapiepraxen bereits heute eine sinnvolle Ergänzung des Behandlungsangebots. Entscheidend ist, dass ihr eine Software wählt, die Video, Termine, Dokumentation und Patientenkommunikation nahtlos verbindet.
Vergleicht alle Anbieter in unserem Überblick weiter oben oder nutzt unseren Schnell-Check oder schaut euch den Design-Vergleich an, um die Software zu finden, die am besten zu eurer Praxis passt.